Robin   

 

 

 

Robin wurde im Mai 1991 als jüngstes Kind von vieren geboren. Mein Kind war sehr temperamentvoll und hatte ständig Flausen im Kopf. Ich werde nie verstehen woher dieses kleine Kerlchen diese geballte Energie hatte. Den ganzen Tag flitzte er lachend durch die Gegend, oder spielte stundenlang mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz ohne zu ermüden. Manchmal kam er so schmutzig nach Hause, so dass ich ihm nur noch durch den Hauswirtschaftsraum Einlass gewährte, um sich dann seiner von Schlamm beschmutzten, undefinierbaren Kleidung zu entledigen. Teilweise bekam man seine Hosen gar nicht mehr sauber.

Schlaf Kindchen schlaf

Wenn bei uns Schlafenszeit angesagt war, dann gab es immer heftigen Protest und meist wurde noch mal kräftig vor allem lautstark  mit den Geschwistern getobt. Da die kids eine Rutsche im Zimmer hatten, spielten sie oft „Rutschenweitsprung“. Das knallte so laut, so dass ich befürchtete, dass mir buchstäblich die Decke auf dem Kopf fällt.

Meine Kinder hatten übrigens ganz besondere Schlafgewohnheiten.............

Erst stritten sie eine Weile und anschließend lagen sie wie Engel, Hand in Hand in einem Bett und schliefen seelenruhig. Doch wenn Robin sich den Unmut seiner Schwester zuzog und sie sich weigerte, mit ihm das Bett zu teilen, lag er schmollend wie ein kleiner Hund vor ihrer Kinderzimmertür, in der Hoffnung, dass sie ihm doch noch Einlass gewähren würde. Wenn das nicht zog, weinte er als Zugabe herzerweichend.

 

 

Der Unsinnmacher

Meist siegte dann Kristins gutes Herz, aber das hatte mein kleiner Held natürlich längst schon einkalkuliert. Doch manchmal war er ein ziemlicher Lümmel der es so richtig faustdick hinter den Ohren hatte.   

 

 

Sein Lieblingsspruch lautete meist: „Mama, ich weiß gar nicht, warum ich immer Unsinn mache, es ist mir einfach so passiert.“ Kombiniert mit seinem schönsten Augenaufschlag, konnte ich ihm natürlich nie so richtig böse sein. Aber er hatte irgendwann den Spitznamen „Unsinnmacher“ weg. Und das fand er gar nicht  so toll. Wir  machten uns einen Spaß daraus, ihn auch einmal ärgern zu können.

 

Robin der Brillen- und Rasenmäherkiller

Ich könnte mindestens 1000 Geschichten über ihn erzählen, wie er z.B.  meinen Rasenmäher mit Wasser betankte, um mir den Sprit zu sparen. Oder wie er mir meine selbstgemalten Aquarelle mit einem Fußball von den Wänden schoss und die Bilderrahmen dann das Zeitliche segneten. Wie er mein Lieblingsgeburtstagsduschgel samt Creme in die Toilette schüttete und als Reiniger benutzte, oder wie er ständig seine Brillen um die Ecke brachte, um keine der leidseligen Ungetüme tragen zu müssen. Mal wurden sie von einem Trecker überfahren......natürlich aus Versehen, wie sollte es auch anders sein. Mal waren sie in einem Sandkasten verbuddelt oder wurden bei einem Ausflug mal eben über einen Zaun geworfen und sie ward nie wieder gesehen. Aber die Krönung war dann, als er unbedingt auf das Töpfchen wollte und anschließend ein Brillenbügel leicht aus dem Häufchen herausragte. Wie soll man bei solch einem Einfallsreichtum noch schimpfen? Den Schaden wollte er mir natürlich immer sofort bezahlen, indem er mir treuherzig versicherte, sein ganzes Spielzeug auf dem Flohmarkt  verkaufen zu wollen. Irgendwann, als er schon bei ca. 1000 DM angelangt war, wurde ihm  doch etwas mulmig zumute.

Er beschloss dann irgendwann einmal zu heiraten. Aber nicht irgendeine... 

Natürlich musste seine Zukünftige sehr schlau sein. „Die schicke ich dann in die Show „WER WIRD MILLIONÄR“,  versicherte er mir grinsend, „und wenn sie die Million gewinnt, kaufe ich dir einen BMW“. „Und ein Haus, dann darfst du auch in meine Nähe ziehen.“ Das rührte mich ja dann doch.

Robins erste große Liebe

Als  er sich jedoch in der 1. Klasse das 1. Mal verliebte und dann völlig entrüstet wieder Schluss machte, weil seine Freundin Pipi in die Hose gemacht hatte und es auch noch der Lehrerin erzählte, waren Mädchen erst einmal doof.

Überhaupt hatte er zunächst Schwierigkeiten sich den Namen seiner Angebeteten zu merken, denn als ich ihn danach fragte antwortete er :“Mama , zähl mal eben alle Mädchennamen aus meiner Schule auf, und ich sag dann STOP.“ Nach längerem Überlegen fiel ihm ein, dass sie Johanna heißt und es fiel ihm ein dicker Stein vom Herzen.

Als mit Johanna wieder Schluss war überlegte er, ob er seine Mama heiraten könne, kam aber dann doch letztendlich zum Schluss,  dass ich viel zu alt für ihn wäre. „Du bist doch schon eine Oma“, stellte er fest.

 

Robin wird eitel

Eines Tages hat sich Robin Kulistreifen auf den Bauch gemalt, um uns stolz seinen Waschbrettbauch zu demonstrieren, mit dem Einwand, dass er sich seinen Bauch auf jeden Fall operieren wolle, sollte er nicht mehr „waschbrettbauchmäßig“ aussehen. Denn er war wieder verliebt diesmal in Pamela Anderson. Als ich ihn fragte, was er denn besonders an ihr mag, meinte er, natürlich ihre dicken  dicken ……..langen blonden Haare.  Als ich jedoch schallend lachte, fragte er mich ganz entrüstet,  was es denn da wohl zu lachen gäbe? Ich glaube, er war sogar ein bisschen beleidigt...........

Ich antwortete, dass ich eine andere Antwort erwartet hätte nämlich.....na ja, ich dachte eher an ihre überdimensionale Oberweite......................Worauf er rief:   „  Mama, da ist doch Wolle drin!!!!“ Da konnte ich mir das Lachen nun wirklich nicht mehr verkneifen..................................

 

Robin der NIXNUX

Eines Tages  beschloss ich mit meinem Sprössling essen zu gehen. Während wir schon ungeduldig auf unserer Bestellung warteten, gesellte sich eine ältere Dame zu uns und setzte sich neben Robin. Ich glaube das war ein großer Fehler.....

 Völlig entrüstet sah er sie von oben bis unten an, worauf sie lächelnd sagte:„Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, mein Junge, ich beiße dich schon nicht.“

Und mein Jüngster fragte mürrisch:  „Haben  sie denn überhaupt noch Zähne?“ Ich musste mich ehrlich gesagt etwas zusammen reißen, um nicht laut zu lachen. Glücklicherweise hatte die Dame Humor und nahm es gelassen hin, während ich mir aber doch Gedanken machte, ob ich meinem kleinen Frechdachs vielleicht die Leviten lesen sollte. .... 

Des öfteren behauptete  mein Sohn immer, er sei ein kleiner -NIXNUX- was übersetzt eigentlich Frechdachs heißen sollte, aber diese andere Variante gefiel ihm bedeutend besser, denn schließlich wusste ja keiner was damit gemeint war. Schlaues Kerlchen!

Fußball

Dass er mal krank werden könnte, hätten wir nie gedacht. Warum auch? Robin wollte immer Fußballer bei Bayern München werden und kickte in jeder freien Minute. Idealerweise hatten wir direkt hinterm Haus einen Fußballplatz und so bolzte er jeden Tag mit seinem Freund. Eines Tages wurde er  heftig  gefoult und stieß mit dem Kopf seines Freundes zusammen. Er verlor kurz das Bewusstsein. Kurze Zeit später hatte er erste Funktionsstörungen. Er rangelte in der Schule im Klassenraum mit einem Mitschüler und fiel einfach so vom Stuhl. Die Lehrer benachrichtigten mich und ich fuhr mit Robin ins Krankenhaus um ihn röntgen zu lassen. Alle Untersuchungen waren in Ordnung, bis die Ärztin bemerkte dass seine Reflexe übersteigert waren und vermutete, dass er von einer Zecke gebissen wurde. Sie überwies uns zu einem Facharzt um ein EEG machen zu lassen.

Wir suchten einen Neurologen auf, der mir nach einigen Untersuchungen eröffnete, dass mein Sohn todkrank sei und nicht mehr lange zu leben habe. Ich hielt dass zunächst für einen Witz. Was erzählte er da? Er bemerkte noch, dass er einen derartigen Befund noch nie gesehen hätte. Erst als der Arzt mit Tränen in den Augen, nicht mehr in der Lage war mir eine Überweisung zu schreiben und seine Mitarbeiterin damit beauftragte, wusste ich dass ist jetzt die Realität. Robin saß zu diesem Zeitpunkt im Auto und spielte fröhlich. Er ahnte nicht, dass ich gerade sein Todesurteil erhalten hatte.

anaplastisches Astrozytom in der Pons Grad 3(Ponsgliom) inoperabel und bösartig. Prognose infaust.

Ich fuhr mit ihm sofort in die Osnabrücker Klinik und unser Albtraum konnte beginnen.

 

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