Liebe Heike, lieber Robin,

hier ist der erste Teil der Geschichte, die als Gemeinschaftsproduktion im Forum „Geschichten erzählen“ bei Jesus.de entsteht. Ich bin dabei, sie formal in eine einigermaßen lesbare Form zu bringen, und schicke sie euch häppchenweise zu. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß damit.

In meiner 5. Klasse sind schon einige spannende Geschichten für dich, lieber Robin, entstanden, die wir dir in den nächsten Tagen gern zuschicken würden. Ein Schüler hat ein kleines Hörspiel geschrieben, das wir demnächst aufnehmen werden und das du auch bekommen sollst. Für all das brauchen wir noch deine Adresse.

Viele liebe Grüße aus Menden und Iserlohn

von Malu  

 

"Es gibt, wenn man einmal alles auf ein Minimum reduziert, genau zwei Dinge, die man im Leben falsch machen kann. Das Erste ist, darauf zu hoffen, dass man den Zug rechtzeitig erreicht, wenn man einen dringenden Termin in einer anderen Stadt hat, und der zweite Fehler ist, sich dann darüber zu ärgern. Mein Leben lang hab ich Erfahrungen gesammelt, und das ist mein Resultat. Passt auf, Kinder, das kam so:

Eines Morgens, ich las gerade in der Zeitung und trank die erste Tasse Kaffee des Tages, klingelte es an der Tür.                                             

Ich war ziemlich verwirrt, denn an meiner Haustür klingelt niemand, außer viel­leicht der Blaubeerenzüchter von nebenan (aber das ist eine andere Geschichte), auf jeden Fall öffnete ich die Tür, und ich ließ tatsächlich meine Kaffeetasse fallen, als ich sah, in wessen unmögliches Gesicht ich blickte: Ein sprechender Baum stand direkt vor meiner Haustür!                                                  

„Hey, Mensch", herrschte er mich an, "kannst du mir mal erklären, was das in dei­nem Garten werden soll? Ich hab ja schon viel in meinem Leben gesehen, aber so was ... Nein!" Er schüttelte so empört die Krone, dass zwei Spatzen laut auftschil­pend herausflatterten.

Ich wollte etwas sagen, aber mein Mund wollte nicht so recht, und nun glaubte der Baum wohl, ich sei auch noch verrückt. Das erste, was ich jedoch sagen konnte, war: „Wollen Sie Kaffee?"

Der Baum schaute mich leicht irritiert an. „Na ja, was will man schon erwarten von einem Menschen, in dessen Garten...." Den Rest konnte ich leider nicht verstehen, weil der Baum die Krone in Richtung Straße wandte.

Nun muss ich etwas erklären, bevor ihr das versteht, Kinder. Wisst ihr, was ein Baum am meisten hasst? Strengt eure Köpfe an! Also: Die besten Freunde der Bäume sind ja die Bäume und deswegen halten sie auch ziemlich gut zusammen, denn sonst würden sie ja auch keinen anständigen Wald hinkriegen. Und wenn ei­ner von ihnen wütend ist, dann haben die anderen auch nichts mehr zu lachen, und deshalb war es auch kein Wunder, dass ich plötzlich einen anderen Baum die Straße runter auf uns zu laufen sah, und zwar mit wutschüttelnder Krone.                                                   

Ihr Lieben, ich sage euch, wenn mir meine Kaffeetasse nicht schon aus der Hand gefallen wäre - spätestens jetzt wäre sie reif gewesen, denn plötzlich kamen von al­len Seiten auch aus den Nachbargärten Bäume wutschnaubend auf uns zu ge­rannt, wie die Irren tobten sie die Straße entlang.

Ich verstand die ganze Aufregung nicht. Erstens war mein Garten... na ja, normal. Während des Sommers stelle ich die Hamster nach draußen, und meine Schwester hat mal eine große Hecke gepflanzt, weil meine Nachbarn immer über den

Zaun geglotzt haben... Aber jetzt, wo drei Bäume noch in einiger Entfernung, der vierte aber schon ganz nah an meiner Haustür aufgeregt riefen:

„Hey, Mensch, was ist mit deinem Garten los?", da kam ich dann doch ins Grü­beln...

Vorsichtig sah ich mich nach hinten um, nach meinem Garten. Er war völlig nor­mal. Der eine Baum schien meinen zaghaften Blick und mein ratloses Gesicht zu bemerken und riet mir: "Blinzel mal!" Ich befolgte die Anweisung. Und was ich da sah – ja, es ist kaum in Worte zu fassen - ja, wenn ich blinzelte, konnte ich erken­nen, dass in meinem Garten tiefster Winter herrschte - mit allem, was dazugehört.    

Das müsst ihr euch mal vorstellen: mitten im Sommer sah man mit dem Blinzel­blick, dass in meinem Garten dicker Schnee lag... 

„Mensch, du weißt gar nicht, wie kalt es in deinem Garten ist........Ich zitter wie Es­penlaub, und das, obwohl ich eine Linde bin!" Der Baum war sichtlich erleichtert, dass er das endlich mal zum Ausdruck bringen konnte, und hoffte auf meinen Durchblick. Aber der war, ich muss es ehrlich gestehen, noch nicht gegeben.

Jetzt meldete sich auch ein Baum aus dem Nachbargarten zu Wort: "Weil es bei dir so kalt ist, kommen die ganzen Wühlmäuse zu uns rüber. Das nenne ich eine tolle Nachbarschaft! Knabbern uns an den Füßen rum, wo sie doch eigentlich zu euch gehören!"                                          

Der Ahorn aus dem Garten von Dumpfsacks moserte: "Ja, und weil bei euch der Bach zugefroren ist, bin ich fast am Verdursten....Dumpfsacks sind doch zu faul zum Gießen!“ 

Jetzt waren die anderen auch nicht mehr zu halten, rauschten mit ihren Blättern und Kronen, trampelten von einer Wurzel auf die andere und schrieen alle durch­einander: "... Äpfel...braune Frostbeulen..."..."...nicht mehr im Wind wie­gen...steifgefroren" "...Meisen meckern nur rum..." ..."Kröten auf der Wanderung auf dem eisigen Boden ausgerutscht..."

Ein Fink schimpfte: "Wie soll man den Kuckuck jemals aus dem Haus kriegen, wenn sein Hintern im Nest festfriert?"

Ich stand ob der ganzen, vielstimmig vorgetragenen Empörung einfach nur stumm da und schaute ziemlich belämmert mit offenem Mund vom einen zum anderen.

Ich merke schon, Kinder, dass ihr euch jetzt fragt, was denn alle die mosernden Bäume mit einem verpassten Zug zu tun haben. Nur Geduld, das kommt schon noch, nur nichts überstürzen. Jedenfalls konnte ich nach einigen weiteren Minuten Schweigen und krampfhaftem Nachdenken dann doch meine Stimmbänder wieder beherrschen und fragte die Bäume sehr sinnig: "Meine Herren, und wieso ist in meinem Garten Winter?", worauf die Bäume mich fassungslos

anstarrten und Dumpfsacks Baum sich mit den Ästen dahin fasste, wo ein Mensch wohl seine Stirn hatte. 

"Tja also... hmmm..." Jetzt guckten die Bäume genauso sprachlos wie ich. Die Stille wurde mir peinlich und ich fragte:  "Vielleicht möchten die Durchgefrorensten unter Ihnen reinkommen? Ich könnte ein Feuerchen im Kamin machen und wir könnten zusammen überlegen..." Weiter kam ich nicht, denn wieder brach ein Entrüstungs­sturm los. "So was von Geschmacklosigkeit! Feuer! Womöglich soll einer von uns auch noch verheizt werden, was?" Drohend rückten sie einen Schritt näher. Die Lage begann sich zuzuspitzen.

"Ruhe!!", donnerte plötzlich eine strenge Stimme dazwischen. "Ja, habt ihr denn alle einen in der Krone, euch so aufzuführen?" Mit einem Male war es still. Zuerst konnte ich gar nicht erkennen, wer da so energisch dazwischengefahren

war, aber auf einmal erblickte ich gelbe Gummistiefel und die Tülle einer Gieß­kanne inmitten dem Gewirr von Ästen und Wurzeln.

Ich musste zweimal hingucken. Das war doch... nein, nicht möglich... doch! Da hockte, völlig entnervt von dem ganzen Getöse und Gemecker, mein Nachbar auf der anderen Seite des Gartens, der Lokomotivführer im Ruhestand, Leopold Duftsocke    

Herr Duftsocke! Welch ein Glück, daß Sie da sind!" Ich wollte schon fast tanzen vor Freude, so erleichtert war ich, meinen Nachbarn zu sehen.

Jetzt war ich nicht mehr allein mit den randalierenden Bäumen. Und wer wie Herr Duftsocke schon mit riesigen schwarzen Dampflokomotiven fertig geworden war, der wusste auch hier Rat... 

...dachte ich. Aber nicht lange, denn schon bekam auch ich den Unmut des alten Eisenbahners zu spüren: "Sag mal, Junge, hast du einen Knall? Wie kommst du dazu, mitten im Sommer Winter in deinem Garten zu veranstalten?"

"Tja, ich..." stotterte ich und sah wieder ziemlich dämlich aus. Dann fasste ich mir ein Herz: "Herr Duftstrumpf", begann ich  würdevoll, wurde aber sofort wieder un­terbrochen. "Socke, Dufts o c k e, mein Lieber - so viel Zeit muss sein. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir schon in den kleinen Dingen nicht genau sind?", be­lehrte er mich. "Kein Wunder, dass es hier mitten im Sommer Winter ist!"  

"Entschuldigen Sie, Herr Duftsocke, aber ich weiß nicht mehr weiter. Sie sind doch in der ganzen Welt herumgekommen. Haben Sie nicht eine Idee, wie man den Win­ter hier wieder wegbekommt?"

Herr Duftsocke blickte mich verständnislos an: "Wie, du hast das nicht selbst ver­bockt?" Ich schüttelte schnell den Kopf „Und du hast nicht zufällig getrunken und dann im Delirium eine Schneekanone kommen lassen?"  

"Also, das ist doch..." Ich war empört. Aber als ich mich gerade so richtig auf den Wipfel meiner Wut hochschaukeln wollte, hörte ich neues Meckern und Mosern aus meinem Garten. Ich guckte nach und traute meinen Augen kaum, denn da kam eine Gruppe aufgebrachter Pinguine auf uns zu gewatschelt. 

                                    

"Ey, wo sind die ganzen Bäume hin?", schrie uns einer entgegen. " Wir sind hier im Urlaub und haben all inclusive gebucht, also Bäume satt!"  

"Ach - ihr wart das?????" 

"Hä? Irgendwas nicht in Ordnung? Wir sind Touristen vom Nordpo- äh- Süd- äh- ist ja auch egal, woher. Jedenfalls gibt's bei uns keine Bäume. Die wollten wir aber unbedingt mal sehen. Aber ohne Schnee wollten wir auch nicht Urlaub machen. Also hat man uns hier hergeschickt. Aber das war ja wohl ein Flop, Mensch!" 

Jetzt standen Herr Duftsocke und ich etwas dümmlich da, aber Herr Duftsocke rettete die Situation, indem er den scheinbaren Anführer der Pinguin-Touristen­gruppe fragte: "Entschuldige, Kleiner, aber welches Reisebüro ist denn für euch zu­ständig?" 

Ich hielt die Luft an. Klasse, Herr Duftsocke, dachte ich. Jetzt kommen wir dem Geheimnis auf die Spur. Den anderen schien es auch so zu gehen wie mir. Alle wandten sich jetzt gespannt den kleinen schwarz-weißen Touris zu, denen man

ihre Empörung immer noch ansehen konnte. 

"Ähm....ja, wie hieß das Reisebüro eigentlich?" Die Pinguine blickten sich an." Ich glaub, es hieß 'Katastrophenadventure und andere Billigreisen', aber sicher bin ich mir nicht mehr", meinte der Kleinste in der Gruppe verlegen. 

"Na toll", entfuhr es mir. "So was Dämliches - eine Reise buchen und dann verges­sen, bei wem... Was machen wir denn jetzt? Dass die Reise der Pinguine und der Winter in meinem Garten zusammenhängen, ist klar. Aber wenn wir nicht raus­kriegen, wer dahintersteckt, gibt es wenig Hoffnung..." 

Allgemeiner Unmut machte sich wieder verstärkt durch aufgebrachtes Blätterra­scheln und nachdrückliches Astkratzen bemerkbar. Die Pinguine bekamen einen säuerlichen Zug um den Schnabel, und manch einer guckte betreten auf seine lap­pigen Füße. Bevor man in dem ganzen Wutgerausche wieder sein eigenes Wort nicht verstehen konnte, ergriff erneut Herr Duftsocke energisch das Wort und räusperte sich bedeutungsvoll. "Alle mal herhören!" Da stand er nun in seinen gel­ben Gummistiefeln und fuchtelte mit seiner grünen Gießkanne. "Von Reisen und Fahrten verstehe ich was und deswegen - also... sacht mal: wie seid ihr hier hinge­kommen?"  

Die Pinguine schauten sich verdutzt an, als wenn es ihnen peinlich wäre oder sie etwas zu verbergen hätten. „Ähm - wir kamen einfach so um die Ecke, wisst ihr?"

Herr Duftsocke schien plötzlich etwas einzufallen. "Aaah! Eine Ecke!"

Alles schaute ihn verdutzt an. Die Pinguine schienen nervöser zu sein. Herr Duftso­cke fing nun an auszuführen: "Versteht ihr, so eine Ecke - wenn ihr um die Ecke geht, und nicht daran denkt, dass es eine Ecke ist, landet ihr an irgendeiner ande­ren Ecke - ein klassisches multidimensionales Paradoxon. Sehr raffiniert der Rei­seführer. Schließt einen Vertrag ab und führt euch ahnungslose Pingus dann um eine Ecke und schwupps! Da seid ihr. Wirklich raffiniert. Das letzte Mal hab ich so was erlebt, als...“ Sein Blick verklärte sich. 

Plötzlich taten die kleinen Touristen mir leid. Offensichtlich waren sie ganz schön gelinkt worden von einem skrupellosen Reiseunternehmer, der ihre Ahnungslosig­keit gnadenlos ausgenutzt hatte. Und jetzt wurde ihnen ihre - nun, ihre Schlicht­heit - auch noch schonungslos vor Augen geführt. "Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche, Herr Dampfsocke, ich glaube, Sie werden jetzt zu philosophisch. So kommen wir nicht weiter...

"Hmmmm, stimmt. Oh verdammt! Ich habe einen Riesenfehler gemacht! Jetzt ken­nen die Pinguine die Ecke und können nicht einfach wieder rumgehen. Verdammt! Was machen wir denn jetzt? Erst mal müssen wir ...

Er stockte und wirkte auf einmal auch sehr hilflos. Da standen wir nun alle, eine illustre Gruppe: verschiedene durchgefrorene Bäume, deren Stimmung zwischen Unverständnis und Empörung schwankte und in deren Zweigen mosernde Meisen und Finken sich über festgefrorene Kuckuckhintern empörten; eine erbarmungs­würdige Pinguingruppe, die völlig überfordert wirkte; Herr Duftsocke, dem jetzt fast die Tränen kamen ob der ganzen Ratlosigkeit wegen geheimnisvoller Ecken um ihn herum, und ich, der ich mich immer mehr danach sehnte, einfach die Haustür zu­zuknallen und mit einer Tasse heißen Kaffees irgendwo in Ruhe meine Zeitung le­sen zu können. Aber das ging nun mal nicht, ich hing mit drin.  

Deshalb sagte ich: "Wollen wir die Pinguine nicht gemeinsam zurückbringen? Sagt mal, ihr Kerlchen, wo kamt ihr noch mal her - war das der Nordpol oder der Süd­pol?“  

„Tja, das ist es eben, das müssten wir vielleicht mal in einem Lexikon nachschla­gen, wo wir leben. Jedenfalls gibt es dort auch ziemlich blöde Eisbären, wenn euch das weiterhilft.“

"Und wie - wie weit ist das wohl so?" fragte ich zögerlich... 

"Na, da hinten rüber und dann - also, ein bisschen dauert's schon, bis man da ist", erklärte der Sprecher des Trupps.

Herr Duftsocke und ich blickten uns lange an, dann stellte mein Nachbar wortlos die Gießkanne auf den Boden und verschwand um die nächste Ecke. 

Wir schauten ratlos hinter ihm her. Das Problem war wirklich vertrackt. Die Bäume und alles, was in meinem Garten so kreuchte und fleuchte - einschließlich meiner Person - hatten einfach keinen Bock auf Winter mitten im Sommer. Und die

Pingus hatten schließlich ihren Urlaub gebucht und bezahlt. Wir konnten sie nicht einfach so um die Ecke bringen – oder hatte ich da was falsch verstanden... 

Einige Minuten später, mir wurde langsam mulmig, entschloss ich mich, nachzu­sehen, wo Herr Duftsocke denn geblieben war. 

Doch da kam er mir schon wieder entschlossen entgegengestapft. Statt seiner Gar­tenkluft trug er nun seine alte Eisenbahneruniform. Die spannte zwar ein bisschen um den Bauch, weil Herr Dampfsocke im Ruhestand etwas - aber nur

etwas !- zugenommen hatte, aber sonst saß sie tadellos und gab ihm ein sehr wür­diges, ehrfurchtgebietendes Aussehen.     

"Also, meine Herrschaften", rief er den anderen zu, "worauf warten wir noch?" 

"Das ist ja wohl klar, worauf!" rief da auf einmal eine Stimme von oben, "auf mich!" Wisst ihr, mittlerweile war ich soweit, dass ich Unmengen von Kaffeetassen zerdep­pert hätte voller Erstaunen. Aber der Anblick dieses fliegenden, frechen

Etwas hätte mich bestimmt veranlasst, noch mal das Doppelte an Kaffeetassen fal­len zu lassen. Denn was ich da sah, war

"Mouse And Mouse Travels, stets zu ihren Diensten, Feela Vielflieger." sagte die Ratte, unter dem Gestotter ihres Miniaturflugzeugmotors. "Hallo, ihr Pinguine, bin ich zu spät? Ich kam gerade so um die Ecke..."  

Ich fiel kurz in Ohnmacht.   

Hatte ich das schon erwähnt? Das mache ich nämlich  immer so, wisst ihr, wenn eine Situation unübersichtlich wird. Und diese Szenerie  w a r unübersichtlich.

Eine fliegende Maus war so ziemlich das Allerletzte, was ich zur Klärung noch ge­braucht hätte.

 

Aber man darf eben nie, niemals aufgeben. Also erwachte ich aus meiner Ohn­macht, schüttelte mich und sagte:...

"Schön, dass Sie da sind! Sie können doch bestimmt die Pinguine nach Hause brin­gen?" 

„Aber nein, wo denken Sie hin?" Frau Vielflieger blickte mich verwirrt an. „Aber ich habe von ihrem Problem gehört, und da mich dieses Reisebüro auch schon gelinkt hat, wollte ich meine Hilfe anbieten....ich weiß zufällig, wie wir vielleicht das

Problem mit dem Winter und den Pinguinen lösen können, da ich die Ecke beo­bachtet habe, als sie ums Eck verschwand!" "Na, dann mal raus mit der Sprache", riefen alle begeistert.

Also, ich konnte einen Blick erhaschen auf das, was ums Eck war, als die Ecke sich aus dem Staub machte.....es sah aus wie der Gare du Nord in Paris, also dieser Bahnhof...." 

"Bahnhof?", rief Herr Duftsocke, "da kenne ich mich aus! Ecken sind nicht gerade mein Spezialgebiet - meine Loks haben sich da immer ein bisschen schwer getan... Aber Bahnhöfe - kein Problem!" 

Ich schielte zu den Pingus hinüber. So ganz war der säuerliche Zug um ihren Schnabel noch nicht verschwunden, ich hatte den Eindruck, dass sich die Dinge nicht ganz so entwickelten, wie sie es sich wünschten. Was hatten sie schließlich mit Ecken zu tun? Sie hatten sich in meinem Garten eigentlich ganz wohlgefühlt - bis den Bäumen kalt geworden war und sie angefangen hatten zu randalieren. Mir fiel ein, was ich gerade heute Morgen in der Zeitung gelesen hatte: Manche Pingu­insorten sind extrem streitsüchtig und hauen sich gegenseitig schon mal windel­weich... 

Ich konnte nur hoffen, dass diese hier zu der weniger schlimmen Sorte gehörten. 

So stand ich also da, mit ein paar streitlustigen Pinguinen, empörten Bäumen, ei­ner durchgeknallten fliegenden Maus und dem lokomotivenversessenen Herr Duft­socke. Und ich hing mitten drin und glaubte immer, ich sei normal. Laut dem

Lexikon unwahrscheinlicher Lebenssituationen sollte ich in den nächsten Wald ge­hen und schreien, aber ich glaube, das hätten mir die Bäume sehr übel genommen. Deshalb fasste ich den einzig sinnvollen Beschluss, nämlich... nein, Kinder keine Angst, ich fiel nicht noch einmal in Ohnmacht. Ich drehte mich um und holte die Tageszeitung von heute mit dem Bericht über Pinguine. Dort stand:

"Humboldtpinguine vergnügen sich an der warmen Westküste Südamerikas. Ihre Kollegen im ewigen Eis, die Kaiserpinguine, kuscheln sich bei -40 Grad zum Wär­men aneinander. Ein  besonders seltener Pinguin lebt an der Südostküste Neusee­lands: Der Gelbaugenpinguin. Er liebt keine Massentreffen wie die anderen seiner Art - er bleibt mit seiner Partnerin allein. Im Sommer kann man Paare beobachten, die leise vom Strand angewackelt kommen und auf ihren kurzen Beinen Hunderte Meter über Stock und Stein ins Gebüsch hoppeln. Eines haben allerdings alle Pin­guine gemeinsam: Sie können nicht fliegen und so richtig elegante Läufer sind sie auch nicht - "  

An dieser Stelle wurde ich unterbrochen. "Was soll das heißen? Werden wir jetzt auch noch verunglimpft?"  

Die Lage spitzte sich erneut zu. Dabei waren wir schon so schön weit gekommen und hatten kurz vor dem Aufbruch gestanden. Unglücklich blickte ich von einem zum anderen. Dabei hatte ich es doch nur gut gemeint...  

Der Baum aus Herrn Dumpfsacks Garten stöhnte genervt auf und wetterte los: "Also, ihr Pinguine.....IHR seid dran schuld, dass wir uns hier die Wurzeln abfrie­ren, also müssen wir die Ecke finden, die euch hergebracht hat, und wie Frau Vielflieger uns hat wissen lassen, ist die nach Paris abgedampft. Wir haben also keine Zeit, uns hier über Laufstil oder Augenfarbe auszulassen, wir müssen so schnell wie möglich nach Paris, bevor unseren Vögeln die Federn alle einzeln vor Kälte abbrechen....!" Und wütend wedelte er noch mit seinen Ästen, daß der Schnee nur so flog.

"Jawohl!", stimmte Herr Duftsocke zu. "Wenn's nach mir ginge, wären wir schon längst unterwegs. Ich bin jedenfalls bereit. Auch wenn's um Ecken geht. Ich ver­schließe mich nicht neuen Erfahrungen." Er zog ein bisschen den Bauch ein und zupfte sich seine Uniform zurecht.

"Also, ich komme auch mit", sagte eine junge Birke, die etwas wagemutiger als die anderen Bäume schien. Nun lag alles an den Pinguinen... 

"Aber wir wollten doch Urlaub im Wald machen", quengelte die ganze Schar. Als aber einer der Bäume sich bedrohlich neigte, lenkten sie ein.

"Also, dann mal los", sagte Herr Duftsocke, "und verschreckt die Passanten nicht“, als wenn dieser Tipp etwas bringen würde. "Ähm ... wohin wollen wir denn eigent­lich?" fragte einer der Pinguine.  

"Ich habe eine Idee" sagte da die junge Birke. "Irgendwer hat gesagt, dass die Ecke der Pinguine jetzt an einem Bahnhof in Frankreich ist. Und da halte ich es für ge­schickt, wenn wir mit dem Zug da hin fahren." 

Herr Duftsocke schaute sie anerkennend an. "Und ich erkunde den Weg von oben", kreischte die fliegende Maus von oben.  

Also machten wir uns unter der kundigen Leitung unserer Spezialisten auf den Weg. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Karawane da tratschend, ra­schelnd, watschelnd, mosernd, fiepend, kreischend und Kommandos plärrend durch die Straßen unserer Stadt zog. Ich wunderte mich ehrlich gesagt, dass an­scheinend niemand auf uns aufmerksam wurde....anscheinend, denn wir

waren gerade kurz vor dem Marktplatz, als  plötzlich ein riesengroßer

Menschenstrom uns entgegenkam. "Da seid ihr ja endlich - wir haben schon auf euch gewartet! Nun macht aber schnell, die Premiere fängt gleich an!"  

Wir blickten uns verständnislos an. Keiner wusste, was diese Menschen von uns wollten. Bis mir schließlich ein Gedanke kam. Ich beugte mich zu Herrn Duftsocke. "Sagen Sie - am Ende der Straße ist doch das große Kino, nicht? Ist da irgendwas Besonderes heute?" 

Herr Duftsocke zuckte mit den Achseln - anscheinend interessierte er sich mehr für Lokomotiven als für solch neumodischen Kram. Doch schon wurden wir mitgeris­sen, in Richtung eines großen, bunten Kinos, das an seinen Wänden einen neuen Film anprangerte. 

Eine Menge Fans war versammelt, und als sie uns sahen, schrieen sie begeistert: "Da kommen die Helden aus 'Herr der Ringe 2'! Hoch, hoch, hoch!" Nur ein paar wunderten sich, was die Pinguine dabei zu suchen hatten, aber die waren kaum zu hören. 

"Moment mal", rief die junge Birke. "Wir sind keine Filmstars, wir wollen nur die Pinguine um die Ecke bringen und suchen deshalb den Weg zum Bahnhof!" 

Doch als der Sprecher der Pinguintruppe kapiert hatte, was da abging, wedelte er energisch mit seinem Flügel in Richtung Birke, um sie zum Schweigen zu bringen. Das war d i e Gelegenheit, endlich zu Weltruhm zu gelangen und deshalb richtete er sich zu würdevoller Größe (na ja...) auf und sagte:... 

"Meine Damen - und äh ja - Herren, wir freuen uns ihnen prel... pren... preg... per­tentieren zu dürfen .... die Haut... ähm Hauptansteller des Films..  

Mir wurde schlecht. Eigentlich war das eine passende Gelegenheit für eine kleine Ohnmacht, aber ich riss mich zusammen. Ich durfte nicht daran denken, wie ruhig dieser Tag angefangen hatte... Ich sehnte mich unsäglich nach meiner Zeitung mit ihren überschaubaren Katastrophen, nach einem frischen Kaffee und nach RUHE, allein in meinem großen Ohrensessel...  

Dieses Spektakel k o n n t e doch nicht lange gut gehen... Aber zu meinem größten Erstaunen drängte sich Herr Duftsocke an mir und dem Pinguin vorbei: "Tach, mein Name ist Gandalf, und wir müssen jetzt zum Zug!“ Er packte den Pinguin, der uns den Schlamassel eingebrockt hatte, am Schnabel, zog ihn hinter sich her und

zischte uns allen zu, dass wir uns endlich auf den Weg machen sollten...

 

Die Bäume waren begeistert - sie wollten die Pinguine und damit den Schnee in meinem Garten ja schnellstens loswerden. Sie folgten Herrn Duftsockes Beispiel und schnappten sich die meckernden Vögel.

Die Pinguine stießen uns und wollten sich losreißen, denn sie schienen die Chance zu wittern, Hollywoodstars zu werden. "Das ist so unfair", rief der eine Pinguin immer wieder, und langsam schien den Menschen aufzugehen, dass das hier der

falsche Film war, auf jeden Fall gehörte die fliegende Maus und die Pinguine nicht dazu...

"Moooment!", hörten wir da eine wohltönende Stimme. "Gestatten - mein Name ist Stiefel Schielzwerg. Vielleicht haben Sie schon von mir gehört. Ich bin Regisseur und immer auf der Suche nach markanten, neuen Gesichtern, die noch nicht so abgenutzt sind. Wenn Sie gestatten...“

Er über legte kurz. Dann fuhr er fort:

"Also, ich denke, wenn man den Pinguinen einen etwas rötlicheren Touch geben würde, und bei Ihnen", er sprach zu Feela, "etwas den Einsiedler-Charakter hervor­heben würde... also dann könnte ich mir... aber kommt erst mal mit, drinnen

spricht´s sich besser.“ Und so bestimmt, wie er das sagte, wagte niemand zu wider­sprechen. ... 

Wie im Traum, völlig widerstandslos, ließ ich mich von den anderen um die nächste Ecke (!) und in den Nebeneingang des Kinogebäudes ziehen. Als wir dort eintraten, blieben uns Schnäbel, Münder und Astgabeln vor Überraschung weit offen stehen, denn wir erblickten ... 

... den Bahnhof!

Huch!“, war das Einzige, was mir dazu einfiel. Wer hätte das nun wieder gedacht? Herr Duftsocke schnaufte auch erleichtert durch, nur die Pinguine und der Film­fritze waren nicht begeistert....

 Auch ich war verblüfft. Aber dann schaute ich mich um und entdeckte, dass es sich um einen ganz besonderen Bahnhof handelte, nicht so einen, wie wir ihn kennen, sondern hier standen viele Bäume und Büsche mit Koffern an den Bahnsteigen, Vögel zwitscherten und hier und da sah man Ratten und Katzen vorbeifliegen...

"Du liebe Zeit - wo sind wir denn jetzt gelandet?" 

Herr Duftsocke sagte gar nichts. Er blickte verwirrt um sich, etwas traurig fast, schockiert beinahe, dann flüsterte er: "Das hier ist gar kein Bahnhof........" 

Er tat mir leid und mein Herz wurde ganz weit, als ich in seine besorgten Augen sah und mir bewusst wurde, wie sehr er doch bei aller Beamtenmentalität um unser Wohl besorgt war. "Nur Mut, lieber Herr Duftsocke", sagte ich, "ich glaube, wir ha­ben im Leben immer die Chance, das Beste aus dem zu machen, was uns gerade passiert. Und deshalb werden wir jetzt einen dieser netten Johannisbeersträucher mit den Koffern fragen, wann der nächste Zug nach Paris geht. Denn dies ist natür­lich doch ein Bahnhof - weswegen wäre hier sonst so viel los? Und wer geht schon mit so viel Gepäck in den Wald?"

Aber so ganz verschwanden die Sorgenfalten auf Herrn Duftsockes Stirn doch nicht. Er schaute sich ganz genau um und wiegte nachdenklich den Kopf. "Ich weiß nicht recht", murmelte er nachdenklich. "Ich fürchte, von hier aus kommen wir nicht nach Paris. Aber da müssen wir hin, damit die Pinguine nach Hause kommen,..." 

Plötzlich fiel mir etwas siedendheiß ein: Ich hatte weder Geld noch EC-Karte dabei! 

Und was noch viel schlimmer war: Es war immer noch Winter in meinem Vorgarten! 

Oh Mann, hätte ich doch nie die Tür aufgemacht, als es heute Morgen an meiner Tür schellte... Hätte ich doch nie den Blinzelblick aufgesetzt ...  

Aber bevor ich mir meine Kurzohnmacht nehmen konnte, stieß mir Herr Duftsocke seinen Dampflokomotivführerellenbogen in die Seite (könnt ihr euch vorstellen, wie sich so was anfühlt??) und da war es dann nichts mehr mit meiner Ohnmacht. Er neigte sich zu mir und flüsterte, als hätte ermeine Gedanken erraten: "Da hinten spüre ich einen Zug kommen -jahrelanges Training. Wenn ich mich nicht irre, ist das eine ganz besondere Sorte, die nur alle Jubeljahre mal fährt. Da hätten wir mit Geld sowieso nichts ausrichten können. Aber - dieser Zug ist unsere große Chance! Alle mal herhören!", ließ er seine Autoritätsstimme erschallen. "Wenn dieser Zug jetzt hier hält, dann sofort alle Mann rein!" "Und dann?", fragte piepsig eine kleine Pinguindame. "Äh", Herr Duftsocke stockte, fuhr aber dann entschlossen fort: " Und - an der anderen Seite sofort wieder raus!"

"Hä?" war von allen Seiten zu vernehmen. "Macht, was ich euch sage, wir haben nicht viel Zeit!" Der Zug rauschte in den Bahnhof, die Türen gingen auf, und alles setzte sich gehorsam in Bewegung. Man hatte schon mitgekriegt, dass mit Herrn

Duftsocke nicht zu spaßen war. Dieser hatte sich an der Tür aufgestellt, um den Transfer zu organisieren. "Die Tannen passen bitte auf, dass sie die Polster nicht zerstechen..."

Ich wartete, bis der größte Andrang vorbei war, dann kletterte auch ich in den Zug. Das heißt - ich wollte in den Zug klettern, aber  das war erst mal nicht möglich. Das war ein Geschiebe und Gedrängel, ein Blättergerausche und Gepiepse,

Schnabelgeklapper und Gestöhne. Alle wollten gleichzeitig in den Zug rein- und dann - wie befohlen - gleich wieder rausdrängen. Dabei wurden wir von Hamstern und Ratten umflogen, von Meisen und Finken umflattert, und Herr Duftsocke musste ein Spatzenpärchen zur Ordnung rufen, das sich in einem Gepäcknetz nie­dergelassen und angefangen hatte zu knutschen.

Tja, schließlich kam ich doch hinein. Dann merkte ich, daß der Zug plötzlich los­fuhr und bekam Panik...

Ich war so aufgeregt, dass ich mich in den Ästen einer Birke neben mir festkrallte, um nicht doch noch in Ohnmacht zu fallen. Jetzt konnte ich die nämlich wirklich nicht gebrauchen.

Als ich mich umschaute, blickte ich in viele verblüffte Gesichter. Nur Herr Duftso­cke wirkte verzweifelt. "Das ist kein normaler Reisezug", sagte er, "man steigt nur ein und an der anderen Seite sofort wieder aus..." "Tja, und nun? Der Zug fährt... Wir können doch nicht aus dem fahrenden Zug springen", antwortete ich.

Aus dem hinteren Bereich des Abteils, in das wir uns alle hineingequetscht hatten, wurde ausgelassenes Gelächter laut. Einige von den Pinguinen - offenbar wieder in Urlaubsstimmung - hatten angefangen, auf den Polstern herumzuhopsen - mit ih­ren Füßen ging das wunderbar.

"Wir sind doch hier nicht in einem Sambazug", empörte sich Herr Duftsocke, der nun einmal - das steht außer Zweifel – von Zügen am meisten Ahnung hatte...

„Jetzt lasst uns erst einmal feststellen, wer überhaupt hier ist. Die Pinguine sind offensichtlich nicht ausgestiegen, ein paar Bäume kann ich auch wiedererkennen. Aber sind wir wenigstens diesen lästigen Filmfritzen losgeworden?"

"Es ist alles so unübersichtlich hier in dem engen Abteil", stöhnte ich unglücklich, "vor lauter Gesträuch kann man gar nichts erkennen."

"Kein Problem", hörte ich da eine beruhigende Stimme, "ich könnte mal von oben schauen, wer noch da ist und ob dieser  Typ es geschafft hat, mit einzusteigen. " Die fliegende Ratte! Ein Glück, dass wir sie bei uns hatten. Zusammen mit einem

liebenswürdigen Hamster, mit dem sie sich angefreundet hatte (was sie sehr mild stimmte!), surrte sie durch das Abteil... 

"Drei Pinguine, zwei Bäume... noch ein halbes Dutzend Pinguine... ein - zwei - drei Bäume... Wie es scheint, sind alle - halt, wo ist denn die junge Birke?" "Da hinten", piepste der Hamster, "flirtet mit einem supernetten Nussbaum!"  

Wir waren also alle zusammen. Nur Herr Schielzwerg war verschwunden. 

„An der nächsten Station steigen wir aus, " sagte ich entschlossen, "komme, was da wolle!" 

In diesem Moment ruckte der ganze Zug so heftig, dass alle durcheinander flogen: Die Pinguine kegelten von ihren Sitzen, die Bäume konnten sich gerade noch mit ihren Kronen in den Gepäcknetzen festhalten, Hamster, fliegende Mäuse und Rat­ten und alles Geflügel, das es sich zwischen den Blättern und Zweigen gemütlich gemacht hatte, sauste schrill gellend durchs Abteil. Ich klammerte mich an Herrn Duftsocke fest und hoffte auf meine Ohnmacht. Mit einem lauten Bremsenkrei­schen kam der Zug zum Stehen. Auf einmal war alles totenstill. Ich spinxte vor­sichtig nach draußen. Da sah ich: Wir befanden uns in der Sahara! Ich sah zu ei­nem Bahnhof, der völlig aus Sand war! ... 

"Ich nehme alles zurück - keiner verlässt den Saal, äh Zug!", rief ich und hoffte, dass die Pinguine noch nicht aus dem Fenster geguckt hatten. Auf ihr Gemaule hatte ich nun wirklich keine Lust mehr... 

"Es hilft nichts", hörte ich Herrn Duftsocke seufzen. "Auch wenn es einigen Herr­schaften hier nicht gefällt: Wir müssen raus! Hatte ich es nicht gleich gesagt? Rein in den Zug und s o f o r t an der anderen Seite wieder raus. Dann hätten wir die Chance auf eine gemäßigte Klimazone gehabt. Aber nein! Die Herrschaften wollten es sich ja hier gemütlich machen. Nun haben wir den Ärger!" Er lockerte sich die Krawatte, denn mit einem Mal begann sich eine mörderische Hitze in dem Zug aus­zubreiten. Dem Oberpinguin rollte schon die erste Schweißperle seines Lebens den Schnabel entlang. Das sensible kleine Birkenfräulein schwankte besorgniserregend, durfte sich dann aber schutzsuchend an den Nussbaum lehnen, dessen Blätter sich leicht zu kräuseln begannen. Ich schaute noch einmal nach draußen. Kein Irrtum: Sahara! 

"Hier isses doof - viel zu heiß und kein Wasser!" maulten prompt die Pinguine. "Wa­rum sollen wir also aussteigen?"

"Verflixt noch mal! RAAAUUUS!", brüllte Herr Duftsocke. "Jetzt nehmt euch doch mal endlich zusammen. Ich kenne hier in der Nähe eine Oase, an der wir vielleicht die Chance haben, den Gegenzug zurück nach Hause zu erwischen. Zumindest sollten die Pinguine dort baden können."  

"Wenn ich da überhaupt ankomme..." seufzte ein anderer Pingu und wischte sich die Stirn. "Aus mir läuft nämlich auch Wasser... Hat jemand von euch so was schon mal erlebt?"

„Ein echtes Auslaufmodell...", kicherte eine freche Meise. Da traf sie ein Blick von Herrn Duftsocke, der die ganze Sahara in eine Eiswüste hätte verwandeln können.

 

 

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